Eine Aktion von Queeramnesty zu den Winterspielen in Sotschi.

In der Zeit der Olympischen Winterspiele in Sotschi gab es weltweit zahlreiche Aktionen von Amnesty International und anderen NGOs. Queeramnesty Hamburg beteiligte sich u. a. mit einem Stand vor der gut besuchten Eislaufbahn im Planten un Bloomen mit einer auffälligen Postkarte und dem provokanten Zitat der russischen Schauspielerin Faina Ranevskaya „Homosexualität ist keine Perversion, pervers ist Ballett auf dem Eis!“. So wurde der Bezug zu den Winterspielen hergestellt. Ein echter Besucher_innen-Magnet wurde der Stand durch die gelben Amnesty Luftballons, mit denen symbolisch „Liebesgrüße nach Russland“ geschickt wurden. 

 

Das Wetter war wunderschön, so dass viele Familien mit Kindern ihren Samstag Nachmittag auf der Eislaufbahn verbrachten. Am Stand kamen viele interessante Gespräche zustande und es konnten einige Unterschriften für die Russlandpetitionen gesammelt werden. Unterstützt wurde die Gruppe von Alfred, einem jungen Mann aus St. Petersburg, welcher für ein freiwilliges soziales Jahr nach Deutschland gekommen ist, vor allem auch, weil für ihn die Situation hier deutlich entspannter als in Russland ist.

Vor einigen Monaten hat Russland ein vage formuliertes Gesetz für die gesamte russische Föderation verabschiedet, das die Diskriminierung von LGBTI-Personen und einer Reihe von Organisationen, die sich für LGBTI-Rechte in Russland einsetzen, institutionalisiert. Das Gesetz schränkt die Rechte auf Redefreiheit und Versammlung der LGBTI-Personen ein und hat landesweit eine Welle von Gewalt gegen LGBTI ausgelöst. Viele LGBTI-Jugendliche leiden an schweren Depressionen, da sie sich selbst nicht wertschätzen. Die aktuellen Gesetze verschlimmern diese Gefühle, weil keine Aufklärung unter Kindern und Jugendlichen möglich ist und somit keine Hilfestellung geleistet werden kann.

Die Menschenrechte haben es insgesamt schwer in Russland. Der Staat misstraut seinen Bürgern zutiefst. Seit Beginn der dritten Amtszeit von Präsident Putin werden die Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft immer enger. Demonstrationen werden verboten oder gewaltsam aufgelöst, mit immer neuen Gesetzen wird die freie Meinungsäußerung beschnitten und das so wichtige Engagement von Nichtregierungsorganisationen eingeschränkt. Dass darunter auch viele LGBTI-Organisationen sind, davon konnte Queeramnesty Hamburg sich 2013 in St. Petersburg selbst ein Bild machen.

www.queeramnesty-hamburg.de
www.amnesty.de/russland

Text: Dortje Schirok, Ben Reichel