Eine Menge bunter Nofretete-Banner, junge Amnesty-Mitglieder mit zugeklebten Mündern, eine laute und bunte Demo in der Hamburger Innenstadt und ausländische Gäste– Das war das Jugend@Amnesty 2013. Doch der Reihe nach.

Anfang des Jahres stimmte die Amnesty International Hochschulgruppe der Uni Hamburg über ein ganz besonderes Projekt ab: „Wollen wie dieses Jahr das Jugend@Amnesty“ veranstalten?“ Bei dem jährlichen Treffen kommen Mitglieder der Jugend- und Hochschulgruppen von AI aus ganz Deutschland für ein Wochenende zusammen, um sich zu vernetzten, auszutauschen, menschenrechtliche Themen in Workshops aufzuarbeiten und zusammen eine große öffentlichkeitswirksame Aktion durchzuführen. Viel Planung, viel Verantwortung – aber ein tolles Erlebnis. Wann, wenn nicht jetzt, dachten wir uns und votierten einstimmig für das Jugend@Amnesty 2013 in Hamburg. Und so wurde die Hansestadt vom 15. bis zum 17. November dieses Jahres der Heimathafen für rund 200 menschenrechtsinteressierte Jugendliche aus allen Ecken Deutschlands. Außerdem haben wir zum diesjährigen Jugend@Amnesty ein Duzend ausländische Gäste eingeladen, die mit Begeisterung aus Ghana, Schweden oder Irland anreisten.

 

 

„My body – my rights“ - lautete das Thema an diesem Wochenende. Das grundlegende Recht über seinen Körper und sein Leben selbst bestimmen zu können, wird in vielen Ländern auf unterschiedlichste Weise missachtet. Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt, geschlechtsbezogene Gewalt und AIDS gehören zu den häufigsten Todesursachen junger Menschen weltweit– der Zugang zu umfassenden Informationen über sexuelle und reproduktive Rechte ist an vielen Orten der Erde nicht gewährleistet. Auch Kinderehen, das Verbot von Homosexualität oder die Einschränkung der freien Meinungsäußerung fallen in dieses Spektrum. 

 

Workshops zu den Themen Folter und Asyl griffen dieses Motto beim Jugend@Amnesty auf. Außerdem haben sich die Jugendlichen an zwei passenden Kampagnen beteiligt. Unter dem Motto „Macht Mächtigen Druck“ können noch im Dezember Flaggen der berühmten Nofretete mit Gasmaske – ein Motiv des ägyptischen Künstlers El-Zef – bunt angemalt und zu Amnesty International nach Berlin geschickt werden. Ende Januar sollen die Kunstwerke dann vor der ägyptischen Botschaft in Berlin zur Schau gestellt werden um ein Zeichen für Meinungsfreiheit und Frauenrechte und gegen Folter und Polizeigewalt in Ägypten zu setzen. Eigentlich wollten wir nur am Freitagabend Flaggen bepinseln lassen, doch auch am Samstag saßen viele Amnesty-Mitglieder in gemütlicher Runde und malten, was das Zeug hielt. Das Studierenden-Aktionsnetzwerk (STAN) hatte passend dazu ein kreatives Film- und Fotoprojekt durchgeführt. Rund 100 Jugendliche versammelten sich am Samstagvormittag auf dem Hof der Schule, die für dieses Wochenende die Unterkunft war, und ließen ihre Nofreteten im Wind flattern. Der Clou – das ganze wurde mit einer Drohne gefilmt – ein kleiner Flugapparat mit installierter Kamera, die beeindruckende Bilder und Videoaufnahmen aus der Vogelperspektive entstehen ließ. 

 

Die Repressionen, denen Minderheiten, Oppositionelle und Aktivisten seit der Amtszeit des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, ausgesetzt sind, nahm Amnesty International zum Anlass um „Liebesgrüße nach Russland“ zu senden. Mit überdimensionalen Postkarten und verklebten Mündern drückten die Jugendlichen beim Jugend@Amnesty ihre Solidarität für die Menschen in Russland aus, die sich für Menschenrechte einsetzen. 

 

Auf dem Jugend@Amnesty gab es außerdem allerhand über die Organisation selbst zu lernen. So gab es an dem Wochenende auch Workshops zur Medien- und Lobbyarbeit und Barrierefreiheit – alles Aspekte, die für Nicht-Regierungs-Organisationen eine große Rolle spielen. In Plenen informierte die SeKo Jugend über die Jugendarbeit von Amnesty International in Deutschland. Außerdem wurde ein neues STAN gewählt, nachdem über dessen Erfolge und Aktionen der letzten Wahlperiode 2012/2013 berichtet wurde. Und die Gäste aus Ghana erzählten umfassend von ihrer Arbeit in der ghanaischen Sektion. Es wurden Aktionen für Jugendliche in Schulen vorgestellt und beschrieben, wie die Jugendarbeit in Ghana funktioniert. 

 

Da uns die Workshops, Plenen und die kleinen Aktionen nicht genug waren, brachen alle Jugendlichen am Nachmittag des 16. November noch zur großen Aktion auf. In kleineren Gruppen ging es los, Richtung Hamburg Hauptbahnhof. Am vereinbarten Treffpunkt angelangt erwartete uns erst einmal ein kleiner Schreck. Wir waren nicht die einzigen, die an diesem Abend eine Aktion geplant hatten. Greenpeace-Aktivisten hatten die Ereignisse der letzten Tage zum Anlass genommen um ebenfalls zu demonstrieren. Zur Erinnerung: Ende September waren mehrere Greenpeace-Aktivisten in Russland inhaftiert worden, als sie gegen Ölbohrungen in der Arktis protestiert hatten.

 

Nach einem tkurzem Durchatmen gab es aber eine gute Zusammenarbeit zwischen Polizei, Greenpeace und Amnesty International, so dass jeder seine Ziele umsetzen konnte. Unseres war das einer bunten lauten Demonstration. Eingeleitet wurde das ganze durch kurze Straßentheaterszenen, in denen zum Beispiel eine Zwangsheirat dargestellt und dann unter den Rufen „My Body – My Rights“ verhindert wurde. Der Demonstrationszug war dann wirklich sehr bunt und laut. Wir konnten viele Unterschriften für unsere Petition sammeln, die die Uno-Weltbevölkerungskonferenz dazu auffordert, Sorge dafür zu tragen, dass alle Menschen Zugang zu Gesundheitsversorgung, Beratung und Information im Bereich von Sexualität, Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft haben. 

 

Und das war nur ein kleiner Einblick in das Jugend@Amnesty. Was Freitag- und Samstagabend noch so los war, folgt dem Motto „Was auf der Reeperbahn passiert, bleibt auf der Reeperbahn“.