Freitag, 4. Oktober 2013, Konzert

Mit Dave Stewart für die Einhaltung der Menschenrechte an Europas Grenzen

Als wir gefragt wurden, ob wir Lust hätten beim Konzert von Dave Stewart am 4. Oktober 2013 im legendären Hamburger „Mojo Club“ einen Amnesty International-Infostand zu betreuen, haben wir nicht lange gefackelt und zugesagt – eine gute Entscheidung.

 

 

Der Mojo Club liegt unterhalb der Erde. Durch zwei riesige Betontüren, die sich aus dem Boden heraus öffnen, gelangt man hinein. Die Wände im Inneren bestehen aus kahlem Beton. Doch das passt zum unterirdischen Ambiente. Unseren Infostand durften wir direkt neben der Bar aufstellen. Hier war es etwas ruhiger und die kahle Betonwand bot Platz für unser Plakat zum Thema EU und Flüchtlinge. Die aktuelle Amnesty-Petition dazu, die wir mitgebracht hatten, war ein Schreiben an den griechischen Minister für Öffentliche Sicherheit und Bürgerschütz, Nikos Denias. Wir fordern die Einhaltung internationaler Standards der Asylpolitik.

 

Die Überwachung an der griechisch-türkischen Landesgrenze wurde technisch und personell in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet, weshalb viele Flüchtlinge aus Konfliktstaaten wie Afghanistan, Syrien oder dem Sudan versuchen, über den Seeweg nach Griechenland und damit nach Europa zu gelangen. Ein Amnesty International Bericht von Juli 2013 dokumentiert Fälle, in denen Boote mit Flüchtlingen durch griechische Behörden ohne Prüfung zurück in türkische Gewässer gedrängt wurden. Teilweise wurden sie dabei manövrierunfähig gemacht und trieben hilflos auf dem offenen Meer. Zwischen August 2012 und Juli 2013 starben dabei über 100 Menschen. Diese Art und Weise der sogenannten „Pushbacks“ verstößt klar gegen internationales Recht, da Bedürftigen die Chance auf das Stellen eines Asylantrages genommen und dazu ihr Leben leichtfertig aus Spiel gesetzt wird. Das hat auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) 2012 klar gestellt. Wenn die Flüchtlinge es doch nach Griechenland schaffen, werden sie dort oft direkt an der Grenze in inhaftiert und in Auffanglager gebracht ,wo sie mehrere Monate in überfüllten Zimmern unter unhygienischen Bedingungen ausharren müssen. Diese Zustände können wir nicht länger dulden. Amnesty International sieht auch die Europäische Union in der Verantwortung, hier konkrete Maßnahmen zu ergreifen.

 

In der Zeit, bevor das Konzert los ging, konnten wir viele Menschen überzeugen, unsere Petition zu unterzeichnen. Einige wollten wissen, ob Dave Stewart sich öfter für Amnesty International einsetzt – ja tut er. Der britischer Musiker, Komponist und Produzent mit hatte im Juli 2012 zusammen mit der britischen Soulsängerin Joss Stone ihren Song „Take Good Care“ neu aufgenommen und damit die Amnesty Kampagne „Hande Hoch für Waffenkontrolle“ für einen internationalen Waffenkontrollvertrag (Arms Trade Treaty) unterstützt. Hier konnten bereits erste Erfolge erzielt werden. Ein solcher Vertrag kam im April 2013 auf UN-Ebene zustande. Zuletzt unterzeichnete ihn die USA. Um in Kraft zu treten, muss er von 50 Staaten ratifiziert werden. Es bleibt zu hoffen, dass es auch in der Flüchtlingspolitik Europas bald Fortschritte geben wird.

 

Dann kam Dave Stewart auf die Bühne. Wie es sich für eine Musiklegende gehört, mit schwarzem eleganten Zylinder und glitzerndem Sakko. Hits wie „Sweet Dreams“ und „Here comes the Rain again“ aus den Zeiten Stewarts früherer Band „Eurythmics“ wurden vom Publikum mitgesungen. Auch von seinem aktuellen Album „Lucky Numbers“ gab er Songs zum Besten. Gesangliche und instrumentale Unterstützung erhielt Dave Stewart an diesem Abend unter anderem durch die Berliner Band Saint Lu und seine 13-jährigen Tochter Kaya, die mit Ihrer kräftigen Stimme alle Gäste mitriss. Auch nach dem Konzert gelang es uns, noch die eine oder andere Unterschrifft für unsere Petition zu bekommen. Rund 100 Stück waren es am Ende. Wir danken den Gästen für ihre Unterstützung und natürlich auch Dave Stewart für das tolle Konzert und sein Engagement für die Menschenrechte.