Am 8. März war es wieder soweit: Der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit hat eine Veranstaltung zum internationalen Frauentag in der W3 in Altona organisiert. Gunda Opfer (Sprecherin der Sektionskoordinationsgruppe Menschenrechtsverletzungen an Frauen („MaF“) begrüßte Gäste und Mitglieder mit einem kleinen Rückblick auf die Geschichte der Rechte der Frauen – von der französischen Revolution bis zur Erklärung der Menschenrechte für alle Menschen – und stellte dann die Frage, ob ein Frauentag heute noch zeitgemäß und nötig ist. Die weiteren Beiträge haben diese Notwendigkeit dann wieder einmal bewiesen.

Zwei Dokumentarfilme zum Thema „Frauen und illegale Zwangsräumungen in Kambodscha“ zeigten eindringlich das Leid der betroffenen Frauen sowie ihren aktiven, teilweise sogar erfolgreichen Kampf gegen Umsiedlung und Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Claudia Busche (Themenkoordinationsgruppe „MaF“) berichtete von diesem sehr speziellen Frauenwiderstand (die Aktionen und Demonstrationen werden überwiegend von Frauen organisiert und durchgeführt) und den Aktionen von Amnesty International (z.B. Urgent Actions).

 

Aneta Barcik, eine echte Kosmopolitin: gebürtige Polin, Studium klassischen arabischen Gesangs in London, heute in Hamburg lebend, hatte zwei arabische Lieder für uns im Gepäck. Ihre zentrale Botschaft ist Toleranz – über Grenzen und religiöse Zugehörigkeiten hinaus.

Danach informierte Stefanie Schneidereit (Sprecherin des AKÖ) über die extreme, tief in der Gesellschaft verwurzelte Geschlechterungleichheit in Ägypten. Die gängige Praxis bei Ehescheidungen, sexuelle Übergriffe, Genitalverstümmelungen, Bevorzugung der Männer in der Erbfolge, Zwangsräumungen: Die Liste ist lang und nur ein kleiner Teil der Frauen, die berufstätigen, gut ausgebildeten, emanzipierten Frauen in den Städten, werden mit ihrem Protest von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Von 568 Parlamentsmitgliedern sind nur 5 Frauen. So verwundert es dann auch nicht, dass das von Amnesty International vorgelegte 10 Punkte Programm bisher nicht umgesetzt wurde. Regierung und Parteien sind gegen Frauenrechte: Ungleichheit ist zwar traurig, aber unvermeidbar. Es gibt also noch viel für uns zu tun…

Musikalisch wurde es dann wieder mit Stela Lalova, Schülerin aus Hamburg, sie sang „I'm a superwoman“, begleitet von Oliver Höppner am Keyboard.

Lilian Mburu aus Kenia berichtete auf Englisch über die Praxis der Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen in ihrer Heimat. In Kenia leben über 30 verschiedene ethnische Gruppen, 57 % der Bevölkerung ist unter 15 Jahre, die Lebenserwartung beträgt etwa 48 Jahre. Fast im ganzen Land (Ausnahme sind lediglich 3 Regionen) wird die Genitalverstümmelung praktiziert: 32% der 15-32 jährigen, 48% der 45-49 jährigen und 90% der Frauen in der östlichen Provinz sind betroffen. Die Gründe sind meist Fortführung alter Traditionen und mangelnde Bildung. Viele Eingriffe werden sogar von ausgebildeten Krankenschwestern durchgeführt. Ein Ende dieser Praktiken kann nur durch Aufklärung und Bildung herbeigeführt werden – viele NGOs unterstützen die kenianischen Frauen, denn selbst das Gesundheitsministerium arbeitet noch daran, die Genitalverstümmelung an Frauen abzuschaffen und unter Strafe zu stellen. Vielen Dank hier noch einmal an Mahira Siddique (AKÖ) und Claudia Busche, die ganz kurzfristig das Dolmetschen übernommen haben.

Zum Schluss, nach einer kurzen Tanzperformance von Stela Lalova, stellte Gunda Opfer dann noch die Aktion „Äußerst grausames Spiel – Nähen für die Menschenrechte“ vor. Von der Resonanz auf den Aufruf vom letzten Jahr war sie selbst überrascht: Über 500 Puppen (teilweise auch aus dem Ausland) sind eingetroffen, über 40 Gruppen haben das fertige Material für ihre Stände und Aktionen bestellt – es gibt sogar schon Blogs im Internet, die über die Aktion berichten.

Ein interessanter Abend ging zu Ende, wir haben Unterschriften für 3 Petitionen sammeln können und man möge uns verzeihen, dass die angekündigte Dauer von 1 Stunde doch überschritten wurde, aber jedes einzelne Thema wäre für sich schon abendfüllend…

Dagmar Fitz  Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit