„Dürfen wir um ihre Aufmerksamkeit bitten. Es dauert nur 5-7 Minuten. Wirklich, wir haben mitgestoppt.“ Gespräche verstummen, die Blicke richten sich auf Anne. Sie weist in wenigen Worten auf die Situation von Liu Xiaobo hin. Und leitet über zu Achim Buch, Schauspieler aus dem Ensemble des Deutschen Schauspielhauses, der mit imposanter Stimme das Gedicht des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers vorträgt: „Warte auf mich – mit dem Staub..“
Gleich sechs Mal spielte sich diese Szene am 20. März ab. Die Gruppe 1028 zog an diesem Sonntagnachmittag durch Hamburger Cafés als Teil einer länderübergreifenden Aktion, initiiert durch das Internationale Literaturfestival Berlin.
 
Wie es dazu kam?
Am Anfang stand eine E-Mail: “Aus Anlass des Jahrestages der politischen Lüge wird am 20. März 2011 eine weltweite Lesung für den Friedensnobelpreisträger 2010, Liu Xiaobo stattfinden. An verschiedenen Veranstaltungsorten und über Radiosender werden das Gedicht von Liu Xiaobo „Du wartest auf mich im Staub“ und die Charta 08 vorgetragen. [..] Wir würden uns freuen, wenn Sie am 20. März eine Lesung organisieren könnten.”
 
Die Idee fanden wir toll, aber sollte unsere kleine Gruppe eine Lesung organisieren? Und wie soll so eine Veranstaltung aussehen? Ein Gedicht und die Charta würden doch keinen Abend füllen? So kam die Idee, einfach in ein Café zu gehen und die Leute zum Publikum zu machen, die ohnehin gerade da sind. Als Veranstaltungsort hatten wir die „Pony Bar“ ins Auge gefasst. Jetzt brauchten wir nur noch einen Profi, der liest. Ganz geradeheraus haben wir einfach die Hamburger Theater angeschrieben und gefragt, ob nicht ein Ensemble-Mitglied Interesse hätte. So sind wir an Achim Buch geraten. Der hatte das Bild vom leeren Stuhl bei der Nobelpreisverleihung noch vor Augen und war gleich Feuer und Flamme. Ihm ist auch zu verdanken, dass es dann sogar sechs Cafés geworden sind. Eines war ihm zu wenig, und er erklärte sich gleich bereit, einen „Lesemarathon“ zu machen.
Er war eine starke Triebfeder und sein Vortrag war exzellent! Mit seiner Stimme und seiner Präsenz zog er wirklich die Aufmerksamkeit auf sich. So ist es sicher auch zu einem guten Teil ihm zu verdanken, dass die Resonanz sehr positiv war. Wir haben fast 90 Unterschriften für Liu Xiaobo zusammen bekommen, und auch ein paar Spenden. Niemand hat sich durch die – für die meisten überraschende  – Lesung gestört gefühlt, viel mehr gab es Applaus und Zuspruch. Auch die Cafés, deren Zustimmung wir übrigens natürlich vorab eingeholt hatten, waren sehr freundlich und aufgeschlossen, und eines hat bereits nach einer Fortsetzung gefragt! Ein bisschen Presseresonanz gab es auch, zwei „Stadtteilreporter“ haben online für das Hamburger Abendblatt berichtet:
Und eine Station haben wir auch auf Kamera festgehalten, nachzuschauen bei YouTube:
http://www.youtube.com/user/AmnestyHamburg?feature=guide#p/c/1/2XTnmIGfC2U
Lutz Hühnken, Gruppe 1028