Rund 100 Leute fanden am Abend des 10. Dezembers ihren Weg in das Hauptgebäude der Universität Hamburg. Der dort stattfindende Abend stand ganz unter dem Motto „Bühne frei für die Menschenrechte“. Anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte haben kreative Menschen – jung und alt, Laien und professionelle Künstler – gemeinsam die Bühne mit Leben gefüllt. Geboten wurde was für Liebhaber aller Sparten: Szenische Auftritte wechselten mit Liedvorträgen, eine Tanzperformance und projizierte Bilder zum Thema „Menschenwürde (?) hier und heute“ rundeten die bunte Mischung ab.

Entwickelt wurde das Programm unter anderem in dafür eigens angebotenen Workshops, die in der Zeit vom 03. bis 05. Dezember allen Interessierten offen standen und in denen man sich unter professioneller Anleitung mit dem Thema Menschenrechte in den verschiedensten Ausdrucksformen auseinander setzen konnte.

Der Anfang des Abends war, zugegeben, etwas chaotisch: Bis zuletzt wurde fleißig geprobt und am Ablauf gefeilt. Da wir zuvor keine Schließer bestimmt hatten, die den Einlass an den Türen koordinierten, strömten einige Besucher verfrüht in den Saal und wurden ungeplant Zeuge letzter Deko-Arbeiten: Wir haben auf der gesamten Balustrade Windlichter in unseren Amnesty-Bechern verteilt.

Etwas verspätet begann dann endlich die Vorführung. Zur (durchaus beabsichtigten) Irritation der Zuschauer startete das Geschehen nicht auf der Bühne, sondern auf der Balustrade des Hörsaals, wo sich mehr und mehr Sprecher erhoben und ausgewählte Artikel aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte rezitierten, welche als Geburtstagskind des Abends ja die eigentliche Hauptrolle spielte.


Im ersten Teil der Vorstellung stellen die Workshop-Teilnehmer ihre erarbeiteten Ergebnisse vor: Die Teilnehmerinnen aus Schauspiel- und Tanz-Workshop behandelten auf vielfältige Weise die Frage „Wie viel Raum hat ein Mensch?“ Eine Frage, die auf aktuelle Debatten und Amnesty-Kampagnen zu Zwangsumsiedelungen, Slum-Räumungen und Roma-Abschiebepolitik hinweist. (Gemeint ist aber auch der Raum für Gedanken / Einstellungen / Aussagen).
Es folgte eine Gesangsdarbietung der Sängerin Tania Levy, welche die Zuhörer nach begeistertem Applaus in die Pause verabschiedete.

Die Pause galt zwar fürs Publikum, aber nicht für die Mitglieder des AK Öffentlichkeitsarbeit, die gleich mit zwei Ständen im Foyer vertreten waren. An dem einen wurde für das leibliche Wohl der Zuschauer gesorgt und mitgebrachte Brezeln, Muffins und Getränke verkauft – letztere mit solch unerwartetem Absatz, dass wir gegen Ende der Pause buchstäblich auf dem Trockenen saßen. Der zweite Stand widmete sich der Hauptaufgabe von Amnesty: Informieren, Unterschriften sammeln, für Fragen bereit stehen. Insgesamt kamen jedoch leider nur 50 Unterschriften und Briefe zusammen und 217 € an Spenden. 

In der zweiten Hälfte der Aufführung wurde dann teilweise schwere Kost geboten: In der Performance („Frei)räume“ unter der Leitung von Anna und Susanne Kriete  trafen Schauspiel und Musik aufeinander; verschiedene Monologe behandelten Themen wie Kindersoldaten, Zwangsprostitution, Verschleppung, Steinigung. Der Jugendchor CP Young Voices stellte das Bühnenbild zu diesen und und weiteren Themen wie Gefangennahme, Verschleppung, Ein- und Ausgrenzung durch wechselnde Formationen und Aktionen in Szene. Bekannte Popsongs wie Herbert Grönemeyers „Mensch“, Michael Jacksons „They don´t care about us“, Sammy DeLux´ “Sag mir wie es wär wenn du es wärst“, Silbermonds „Krieger des Lichts“  und John Lennons unvergessenes „Imagine“  untermalten die Themen, vertieften sie und setzten durch die Texte und Melodien am Ende auch ermutigenden Kontraste. „Lasst uns aufstehen. Macht euch auf den Weg. Ihr seid gebraucht hier. Macht euch auf den Weg. Das hier geht an alle Krieger des Lichts.“ 

Ungewohnt war für einige Zuschauer sicherlich, dass nicht nur die Bühne, sondern mehrfach auch der ganze Raum in die Inszenierung eingebaut wurde: Immer wieder agierten die Beteiligten direkt aus dem Auditorium heraus, eine Tänzerin hastete zu Beginn der Tanzperformance barfuß durch den gesamten Zuschauerraum... Ein Bruch mit traditionellen Sehgewohnheiten, der beim Publikum offenbar sehr gut ankam.
Wie viel Raum hat der Mensch, und was passiert wenn ich ihm diesen Raum nehme?
Am Ende des Abends gab es minutenlangen Beifall. 

Ein Fazit bleibt schwer zu ziehen. Wie definiert man, ob ein Abend  „erfolgreich“ war? Hinsichtlich der geringen Größe des Publikums, der eingenommenen Spenden und gesammelten Unterschriften blieben wir leider unter dem Erhofften. Dafür konnten wir einen Raum schaffen (um beim Thema des Abends zu bleiben), in dem die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurde und aus dem der ein oder andere hoffentlich viele Gedankenanstöße ziehen konnte, die er mit nach Hause genommen hat. Ganz im Sinne des Spruches von Kofi Annan, welcher der Vorstellung vorangestellt wurde: „Menschenrechtsbildung ist viel mehr als eine Schullektion oder das Thema für einen Tag; es ist ein Prozess, um Menschen mit den Grundlagen für ein Leben in Sicherheit und Würde auszustatten. Lassen Sie uns an diesem Internationalen Tag der Menschenrechte gemeinsam daran arbeiten, eine Kultur der Menschenrechte zu entwickeln, sie künftigen Generationen zu vermitteln sowie Freiheit, Sicherheit und Frieden in allen Ländern zu fördern.“ 

Ein vielfältiger Abend, und auch ein langer Abend – auf jeden Fall ein Abend, der mehr Zuschauer verdient gehabt hätte!
Bis zum nächsten Tag der Menschenrechte (denn die Veranstaltung soll in Serie gehen), bleiben nun einige Monate Zeit, um weitere Menschen zu mobilisieren, Medienpartner zu finden und neue Werbestrategien zu entwickeln.

Wie immer gilt: Helfer, Kreative, Unterstützer sind immer mit Rat und Tat herzlich willkommen!