1960er Jahre

28.05.1961: Mit seinem Artikel "Die vergessenen Gefangenen", erschienen in der britischen Wochenzeitung "The Observer", legt der Londoner Rechtsanwalt Peter Benenson den Grundstein für Amnesty International.

28.07.1961: Gründungsversammlung von "Amnesty-Appell" in Deutschland. Zu den ersten Vorstandsmitgliedern gehören neben anderen Carola Stern und Gerd Ruge.

1962: 70 ai-Gruppen in sieben Ländern betreuen 210 politische Gefangene. Die Bewegung erhält den Namen "Amnesty International". Die ersten ai-Delegationen besuchen Ghana, die Tschechoslowakei, Portugal und die DDR. Ein Amnesty-Beobachter nimmt am Prozess gegen Nelson Mandela teil.

1963: In London wird ein Internationales Sekretariat etabliert.

1964: Es wird die 1. Amnesty-Gruppe in Hamburg gegründet.Initiatoren waren Helga und Hajo Wandschneider, Rosemarie Bollinger, Ingeborg Brandt, Rudolf Sieverts, Lore Brangsch und Dirk Börner. In Deutschland gibt es weniger als 20 Gruppen mit nicht einmal 100 Mitgliedern. Amnesty International erhält Konsultativstatus bei den Vereinten Nationen.

1965: Amnesty Internaional veröffentlicht erste Berichte zu Haftbedingungen. Geschildert wird die Situation in Portugal, Südafrika und Rumänien.

1966: Seit der Gründung der Organisation wurde die Freilassung von 1.000 politischen Gefangenen erreicht.

1967: Es gibt inzwischen 550 Gruppen in 18 Ländern.

1968: Im April findet die Jahresversammlung von Amnesty International in Hamburg statt. Im Sekretariat in Hamburg arbeitet eine freiwillige Halbtagskraft. Auf ihrer sechsten internationalen Tagung erweitert die Organisation ihr Aufgabenfeld um die Bereiche Verbot der Folter und Schutz vor willkürlicher Festnahme.

1969: Seit 1961 wurden insgesamt 4.000 Gefangene von Amnesty International betreut, 2.000 freigelassen.

1970er Jahre

1970: Es gibt inzwischen 850 Gruppen in 27 Ländern. Das Amnesty-Sekretariat ist im Büro von Rechtsanwalt Dirk Börner in Hamburg untergebracht. Der erste Zivildienstleistende tritt seinen Dienst bei Amnesty an.

1971: Großes internationales Medienecho zum 10. Gründungstag der Organisation.

1972 : Amnesty International startet die erste Kampagne gegen Folter.

1973: Der erste "urgent action"-Appell erfolgt zu Gunsten des von brasilianischen Militärs festgenommenen Professors Luiz Basilio Rossi. Es ist die Geburtsstunde einer der erfolgreichsten Aktionsformen der Organisation. Die UNO-Vollversammlung verabschiedet eine von Amnesty International angeregte Resolution zum Verbot der Folter.

1974: Zum Jahrestag des Militärputsches in Chile veröffentlicht Amnesty International einen umfangreichen Bericht, in dem Verfolgung, Mord und Folter unter General Pinochet dokumentiert sind.Unterstützer der „Roten-Armee-Fraktion (RAF)" besetzen das Hamburger Büro von Amnesty. Die Polizei räumt.

1975: Inzwischen gehören 1.600 Gruppen in 33 Ländern zur Organisation.

1976: In München dirigiert Leonard Bernstein ein Benefizkonzert zu Gunsten von Amnesty International. In anderen Ländern finden Konzerte mit Peter Gabriel, Eric Clapton, Phil Collins und anderen Künstlern statt. Das Büro von Amnesty International Deutschland wird nach Bonn verlegt.

1977: Amnesty International erhält den Friedensnobelpreis. In Bonn beginnt einer der längsten Zivilprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik. Die in Chile ansässige deutsche Siedlung "Colonia Dignidad" klagt gegen den von Amnesty International erhobenen Vorwurf, die Siedlung würde dem chilenischen Geheimdienst als Folterzentrum dienen. Die Klage wird 1997 abgewiesen. Zum bisher einzigen Mal findet eine Internationale Ratstagung von ai in Deutschland statt - in Bad Honnef.

1978: Amnesty International erhält den UNO-Menschenrechtspreis.

1979: Amnesty International publiziert eine Liste mit Namen von 2.665 Menschen, die nach dem Militärputsch in Argentinien "verschwunden" sind.

1980er Jahre

1981: Zum 20. Geburtstag der Organisation werden in London tausende von Kerzen entzündet.

1982: Am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, fordert Amnesty International die internationale Staatengemeinschaft auf, eine Generalamnestie für alle gewaltlosen politischen Gefangenen weltweit zu erlassen. Der Appell wird von eineinhalb Millionen Menschen unterzeichnet und ein Jahr später der UNO übergeben.

1983: Amnesty International veröffentlicht einen Bericht über politische Morde, die von Regierungen angeordnet werden.

1984: Die Organisation startet ihre zweite Kampagne gegen Folter.

1985: Das Mandat von Amnesty International wird um den Bereich Flüchtlinge erweitert. Inzwischen gibt es 3.400 Gruppen in 50 Ländern. Die Jahresversammlung von Amnesty BRD findet in Hamburg statt.

1986: In den USA geben U2, Sting, Peter Gabriel, Bryan Adams, Lou Reed und andere Konzerte zu Gunsten von Amnesty International.

1987: Amnesty International veröffentlicht einen Bericht über die Todesstrafe in den USA, der nachweist, wie willkürlich und rassistisch sie verhängt wird.

1988: Zum 40-jährigen Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte veranstaltet Amnesty International die Konzerttournee "Human Rights Now!". Sting, Tracy Chapman, Youssou N'Dour, Bruce Springsteen und Peter Gabriel touren sechs Wochen lang durch 15 Länder.

1989: Nach Erscheinen eines Berichts zur Menschenrechtssituation in der DDR verbreitet die amtliche Nachrichtenagentur ADN die Meldung: "Eine sich als Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International bezeichnende Gruppe, die in enger Verbindung zu westlichen Geheimdiensten steht, hat versucht, beim Europaparlament in Straßburg gefälschtes Material gegen die DDR in Umlauf zu bringen."

1990er Jahre

1990: Gründungsversammlung von Amnesty International in der DDR. Es gibt inzwischen 6.000 Gruppen in 70 Ländern und 700.000 Mitglieder in 160 Ländern insgesamt.

1991: An der Internationalen Ratsversammlung, die 1991 in Yokohama (Japan) stattfindet, beschliesst Amnesty International folgende Bereiche ins Mandat aufzunehmen: Menschenrechtsverletzungen durch bewaffnete Oppositionsgruppen und die Verfolgung und Gefangennahme von Homosexuellen. Weiterhin werden auch Menschenrechtsverletzungen ausserhalb des Gefangenenkontextes ins Mandat einbezogen, so z. B. die Zerstörung von Häusern.

1992: Amnesty International hat 1 Million Mitglieder und Unterstützer.

1993: Auf der UNO-Menschenrechtskonferenz in Wien setzt sich Amnesty International für die Schaffung eines Hochkommissariats für Menschenrechte ein. Ein Jahr später wird das Amt eingerichtet.

1994: Amnesty International startet Kampagnen gegen das "Verschwindenlassen" und gegen politische Morde sowie für Frauenrechte.

1995: Deutschland ist zum ersten Mal Ziel einer "urgent action": Um die Abschiebung des Kurden Fariz Simsek in die Türkei zu verhindern, treffen im bayerischen Innenministerium körbeweise Appelle ein.

1996: Amnesty International startet eine Kampagne zur Einrichtung eines Internationalen Strafgerichtshofs. 1998 greift die UNO den Vorschlag auf.

1997: Im Rahmen einer Kampagne zum Schutz von Flüchtlingen findet vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin eine Großkundgebung statt.

1998: In London wird General Pinochet festgenommen. Im Dezember findet in der Frankfurter Paulskirche ein Menschenrechtskongress mit rund tausend Teilnehmern statt. Die Jahresversammlung von Amnesty-BRD ist in Hamburg. Zum 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird erstmals der Menschenrechtspreis der deutschen Amnesty-Sektion vergeben.

1999: Die "Eurythmics" Annie Lennox und Dave Stewart treten nach zehnjähriger Pause wieder zusammen auf und gehen für Amnesty International und Greenpeace auf Welttournee

2000er Jahre

2000: Amnesty International startet die dritte Kampagne gegen Folter.

2001: 40. Jahresfeier Amnesty International in Hamburg.

Der Internationale Rat hat an der Versammlung 2001 ein neues Mandat sowie ein neues Grundlagenpapier verabschiedet, damit die Organisation bereit ist, sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen.

2002: Ausweitung des Auftrages von Amnesty International auf die Bekämpfung von schwerwiegenden Verletzungen aller Menschenrechte.

Inkrafttreten des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC). Bedauerlich und unverständlich sind allerdings die Bestrebungen der USA, die Funktion des ICC auszuhöhlen. ai hat die US-Regierung wiederholt aufgerufen, ihre Angriffe auf den ICC einzustellen und sich den Bemühungen der Staatengemeinschaft um eine Beendigung der Straffreiheit anzuschließen

2003: Die Bilder gefolterter Iraker wie die fortgesetzte Behandlung Gefangener in US-Gewahrsam von Afghanistan bis Guantánamo zeigen: Selbst absolute Verbote des Völkerrechts wie das Folterverbot sind in Rechtsstaaten keine Tabus mehr. In Deutschland dringt Amnesty International darauf, dass eine unabhängige Beschwerde- und Kontrollstelle für Übergriffe durch Polizisten eingerichtet wird.

2004: Rechtsstaaten einschließlich Deutschlands diskutieren über die Zulässigkeit von Folter.

2005: Am 25.02.2005 verstirbt der Gründer von Amnesty International Peter Benenson. Zum ersten Mal vergibt die Menschenrechtsorganisation den Amnesty-Filmpreis auf der Berlinale. Ein Ende der Menschenrechtsverletzungen im "Krieg gegen den Terror" nicht in Sicht. Guantánamo existiert weiter, immer noch werden Menschen an geheimen Orten festgehalten. Ende 2005 wurde bekannt, dass die CIA illegale Gefangenentransfers in Geheimgefängnisse oder Folterstaaten offenbar in erheblichem Maße über europäische Flughäfen abgewickelt hat.

2006: Um "illegale Einwanderung" zu unterbinden, setzen sich europäische Staaten über die Rechte von Flüchtlingen und Migranten hinweg. Im verzweifelten Versuch, nach Europa zu gelangen, haben 2006 mehrere Tausend Menschen ihr Leben verloren, vor allem in den Meeren zwischen Afrika und Südeuropa. Die, die durchkamen, wurden oft abgewiesen, ohne die Chance zu erhalten, einen Asylantrag zu stellen.

In Europa wurde 2006 offenbar, dass eine Reihe von Staaten an der Praxis so genannter außerordentlicher Überstellungen beteiligt waren. Zahlreiche Menschen wurden rechtswidrig entführt, verschleppt und in Länder ausgeflogen, wo sie oft der Folter unterworfen wurden. Die EU muss erklären, wie sie dies zukünftig verhindern will.

Die UN-Generalversammlung hat mit ihrer Stimme den Weg für ein globales Übereinkommen zur Kontrolle des Handels mit konventionellen Rüstungsgütern freigemacht.

An der online-Petition „Eine Million Gesichter“ im Rahmen der Kampagne „Waffen unter Kontrolle!“ von Amnesty International, Oxfam und weiteren Nichtregierungsorganisationen haben sich über eine Millioin Menschen mit ihren Fotos beteiligt.

Am 20.01.2006 verstirbt Carola Stern. Die deutsche Sektion von Amnesty International trauert um ihre Mitbegründerin

2007: Amnesty International startete eine globale Petition, die Sudans Regierung ersucht, Zivilisten in Darfur zu schützen.

United Nations General Assembly (GA) nahm die Erklärung auf den Rechten der eingeborenen Völker an.

Amnesty International prangert an: Immer mehr Regierungen nutzen Furcht vor Terror als Vorwand für die Einschränkung von Grundrechten. Auch bei der Arbeit deutscher Geheimdienste spielten Menschenrechte offenbar keine Rolle.

10.12.2007: Erster Briefmarathon in Hamburg.

Am 18. Dezember 2007 nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit großer Unterstützung aus allen Weltregionen erstmals eine Resolution an, die die Aussetzung aller gefällten, aber bislang noch nicht vollstreckten Todesurteile verlangt. Ein solches Hinrichtungsmoratorium könnte ein erster Schritt zur weltweiten Ächtung der Todesstrafe sein.

2008: Das Jahr stand im Zeichen der Olympischen Sommerspiele in Peking. Amnesty machte auf die Menschenrechtsverletzungen im Rahmen einer Kampagne aufmerksam. Die Jahresversammlung von Amnesty International ist 2008 in Hamburg

60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Dieser Geburtstag steht für eine beachtliche Erfolgsgeschichte der Staatengemeinschaft, aber auch für die Verpflichtung von Regierungen, sich deutlich stärker und konsequenter als bisher um die Umsetzung der Menschenrechte zu kümmern.

In Deutschland kritisiert Amnesty International, dass im Zuge der Terrorismusbekämpfung das absolute Folterverbot untergraben wird. So haben deutsche Kriminal- und Geheimdienstbeamte mehrfach inhaftierte Verdächtige in Ländern befragt, die für Folter und Misshandlung bekannt sind.

2009 Amnesty International startet die weltweite Kampagne „DEMAND DIGNITY“, die im Kampf gegen Armut die Menschenrechte ins Zentrum rückt.

Monika Lüke wird neue Generalsekretärin von Amnesty Internationl, Deutschland.

2010er Jahre

2010: Salil Shetty wird internatioinaler Generalsekretär von Amnesty International.

2011: Revolution in Tunesien. Im Januar 2011 gehen Tausende Menschen in Tunesien auf die Straße und forderten mehr Freiheit und demokratische Reformen. Sicherheitskräfte töteten mehr als 147 Menschen, doch die Demonstrationen gehen weiter. Am 14. Januar verlässt Diktator Ben Ali fluchtartig das Land. Regimewechsel in Ägypten

Am 11. Februar 2011 endet die 30-jährige Herrschaft von Hosni Mubarak. 18 Tage lang hatten Hunderttausende auf dem Tahrir-Platz in Kairo und in anderen Städten seinen Rücktritt gefordert. Mehr als Tausend Menschen werden im Zuge der Proteste festgenommen. Bei Zusammenstößen zwischen Oppositionellen und Mubarak-Anhängern werden mindestens 300 Menschen getötet und Tausende verletzt.

28 May 2011: Amnesty International wird 50. Amnesty International nutzt den 50. Jahrestag der Gründung der Organisation, um auf akute Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen.

Wolgang Grenz wird Generalsekretär von Amnesty International, Deutschland.

2012: HÄNDE HOCH FÜR WAFFENKONTROLLE Amnesty International setzt sich daher für strikte Kontrollen für den internationalen Waffenhandel ein. Jede Minute stirbt ein Mensch durch Waffengewalt - das sind eine halbe Million Menschen jedes Jahr.

MEHR VERANTWORTUNG BEI DER POLIZEI Amnesty International fordert mehr Transparenz bei der Polizeiarbeit in Deutschland. Erkennbarkeit durch eine individuelle Kennzeichnungspflicht für Polizisten sowie Aufklärung durch unabhängige Untersuchungen.