Wie ist Amnesty International entstanden?

1960 wurden in Lissabon zwei Studenten festgenommen, weil sie in einem Lokal auf die Freiheit angestoßen hatten. Diese Nachricht empörte den Londoner Rechtsanwalt Peter Benenson: Dass Menschen allein wegen ihrer Gesinnung ins Gefängnis gesperrt werden – das wollte er nicht länger mit ansehen. Er wollte handeln. Am 28. Mai 1961 veröffentlichte die Zeitung «The Observer» seinen Artikel mit dem Titel «The Forgotten Prisoners». Benenson zeigte darin auf, dass Gefangene zuweilen wegen ihrer politischen Einstellung inhaftiert, gefoltert und ermordet werden. Benenson forderte die Leute auf, Briefe an die Regierungen zu senden und sich für diese Menschen einzusetzen. Das war der Anfang von Amnesty International.

Wie setzt sich Amnesty International gegen Menschenrechtsverletzungen ein?

Öffentlicher Druck ist eines der wichtigsten Mittel, um Verbesserungen für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu erzielen und die Einhaltung der Menschenrechte zu fördern. Im Rahmen der Amnesty-Kampagnen setzen sich Mitglieder und UnterstützerInnen auf der ganzen Welt mit Protestschreiben, Briefen, Straßenaktionen und öffentlichen Veranstaltungen für Menschenrechtsanliegen ein. Verstärkt werden die direkten Aktionen durch Medienarbeit auf möglichst vielen Kanälen, online und offline, durch Plakat- und Inseratekampagnen sowie durch die Menschenrechtsbildung.

Manchmal führen aber auch «stillere» Methoden zum Ziel: Lobbyistinnen und Lobbyisten von Amnesty konfrontieren Regierungen und Behörden direkt mit Zahlen und Fakten zu Menschenrechtsverletzungen, setzen sich bei internationalen Organisationen wie der Uno oder dem Europarat für Menschenrechtsanliegen ein und wirken mit an der Weiterentwicklung des völkerrechtlicher Instrumente zur Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen.

In besonders akuten Fällen von Menschenrechtsverletzungen alarmiert Amnesty ihr Urgent-Actions-Netzwerk. Dann senden Freiwillige auf der ganzen Welt innert Stunden Tausende Briefe, Faxe und E-Mails an Regierungen und Behörden. Die so erzielte Aufmerksamkeit ist oft entscheidend dafür, ob ein Menschenleben gerettet werden kann oder ob eine Person aus der Haft entlassen wird.

Ohne die 3,2 Millionen Amnesty-Mitglieder und -UnterstützerInnen weltweit wäre all dies nicht möglich. Sie werden innerhalb kürzester Zeit aktiv und sind bereit zu handeln. Globale Kampagnen werden durch sie zu lokalen Aktionen für die Menschenrechte. Hinrichtungen können so verhindert, Folter gestoppt und unfaire Verfahren neu aufgerollt werden. Auch Sie können mithelfen!

Zu welchen Themen arbeitet Amnesty International, und nach welchen Kriterien?

Das Spektrum der weltweit begangenen Menschenrechtsverletzungen ist leider unendlich breit und der Handlungsbedarf für eine Menschenrechtsorganisation entsprechend riesig. In den Anfangszeiten der Bewegung hat sich Amnesty International vor allem um die Themen Meinungsäußerungs- und Gewissensfreiheit, unfaire Inhaftierung, grausame Haftbedingungen und Folter gekümmert, später kam der Kampf gegen die Todesstrafe dazu.

Im Zuge der weltweiten völkerrechtlichen und politischen Entwicklungen hat sich dann der Themenkreis immer mehr erweitert:

So sind zum Beispiel das Engagement gegen Diskriminierung von ethnischen Minderheiten und der Einsatz für Flüchtlinge und Vertriebene ganz wichtig geworden, die Thematik der Frauenrechte und die Diskriminierung von Schwulen und Lesben wurden aufgegriffen, und im Rahmen einer globalen Kampagne gegen die Armut als Ursache und Folge von Menschenrechtsverletzungen engagiert sich Amnesty heute auch gegen Zwangsräumungen und für die Menschen in Slums. Menschenrechtsverletzungen durch multinationale Firmen sind ebenfalls ein wichtiges Thema.

Daneben bleibt die Arbeit zu Einzelfällen und bedrohten Menschenrechtsverteidigerinnen und –verteidigern eine kontinuierliche Aktivität.

Die großen Kampagnen der globalen Bewegung werden in einem demokratischen Entscheidungsprozess auf internationaler Ebene festgelegt. Damit Amnesty als weltweite Basisbewegung wirkungsvoll arbeiten kann, gilt es, thematische Prioritäten auszuwählen. Diese lassen aber den einzelnen Sektionen und Gruppen immer noch genug Spielraum, entsprechend ihrem eigenen politischen Umfeld und ihren Möglichkeiten Schwerpunkte zu setzen.

Was tut Amnesty International für die Frauenrechte?

Der Einsatz für Frauenrechte ist ein wichtiger Teil der Arbeit von Amnesty International. Zwar sind Frauen grundsätzlich nicht weniger und nicht mehr von Menschenrechtsverletzungen betroffen als Männer. Aber die Formen von Gewalt, die Frauen erleiden, sind oft weniger sichtbar, weil sie im «Privaten» geschehen. Sie haben viel mit den Rollen zu tun, die Frauen in der Gesellschaft zugewiesen werden.

Von 2004 bis 2010 führte die Organisation eine weltweite Kampagne unter dem Titel «Stoppt Gewalt gegen Frauen». Heute sind Aktionen zu Frauenrechten in alle laufenden Kampagnen integriert.

Amnesty International verurteilt Menschenrechtsverletzungen an Frauen und geschlechtsspezifische Gewalt unter allen Umständen, in allen Kulturen und Religionen. Zu den wichtigen Themen gehören zum Beispiel häusliche Gewalt, Gewalt gegen Frauen im Krieg, Genitalverstümmelung, Müttergesundheit oder der Kampf gegen Frauenhandel.

Was unternimmt Amnesty International in der Deutschland gegen Menschenrechtsverletzungen?

Für Amnesty International ist es wichtig, dass auch Deutschland ihre Verpflichtungen punkto Menschenrechte in allen Bereichen wahrnimmt. Entsprechend nehmen wir zu menschenrechtsrelevanten Fragen in Deutschland Stellung. Mit Lobbyarbeit gegenüber der Verwaltung, dem Parlament und dem Bundesrat versuchen wir den Gesetzgebungsprozess im Sinne der Menschenrechte zu beeinflussen. Die Lobbyarbeit wird je nach Bedeutung des Themas auch mit Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen unterstützt. Falls Gefahr droht, dass durch Initiativen oder Gesetzesvorlagen, die einer Volksabstimmung unterbreitet werden, Menschenrechte verletzt werden, nimmt Amnesty International klar Stellung. Aus Kapazitätsgründen können wir jedoch nicht zu Menschenrechtsverletzungen gegenüber einzelnen Personen arbeiten und die Betroffenen anwaltschaftlich vertreten.

Woher erhält Amnesty International ihre Informationen?

Die Arbeit von Amnesty International beruht auf der laufenden, sorgfältigen Erforschung der Menschenrechtssituation in rund 150 Ländern. Verantwortlich für diese Arbeit sind regional oder thematisch ausgerichtete Teams von Expertinnen und Experten unter Leitung des Internationalen Sekretariats in London. Regelmäßig entsendet Amnesty ihre Fachleute in Länder und Krisenregionen, um vor Ort Fakten zu sammeln und im direkten Gespräch mit Opfern und Menschenrechtsaktivisten authentische Informationen zu beschaffen.
Wenn die Regierungen Amnesty die Arbeit im Lande verbieten, stützt die Organisation sich auch auf Aussagen von Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern im Exil oder von Flüchtlingen, die das Land verlassen haben.
Jegliche Information, die bei Amnesty International eintrifft, wird dokumentiert und durchläuft einen sehr sorgfältigen Überprüfungsprozess, bevor sie für einen Bericht oder für die Medienarbeit verwendet wird.

Welches Recht haben wir, in die internen Angelegenheiten von anderen Ländern einzugreifen?

Nach dem zweiten Weltkrieg hat die internationale Gemeinschaft akzeptiert, dass die Souveränität nicht mehr als Entschuldigung für Menschenrechtsverletzungen vorgeschoben werden kann oder Personen schützen soll, die die Menschenrechte missachtet haben. Nach internationalen Abkommen und Verträgen, die von verschiedenen Regierungen dieser Welt ausgearbeitet und abgesegnet wurden, sind die Regierungen heute verantwortlich für die Art, wie sie die Menschen behandeln. Der Grundstein des modernen Menschenrechtssystems ist die Aufgabe aller Regierungen, die Menschenrechte zu fördern und sie zu schützen, wo sie bedroht sind. Manche Regierungen verstecken sich hinter dem Argument, dass die Menschenrechte ein internes Anliegen seien, aber Amnesty International beharrt darauf, sie zur Verantwortung zu ziehen.

Sind Menschenrechte nicht ein Luxus, vor allem in armen Ländern?

Nach internationalem Recht sind die Menschenrechte, welche Amnesty International verteidigt:

  • Universell  – sie gelten für jede Person, ohne Ausnahme
  • Unteilbar  – manche Rechte können nicht wichtiger sein als andere

Regierungen überall auf der Welt, die Gesellschaften aller Entwicklungskategorien sowie verschiedene Kulturen repräsentieren, haben offiziell zugestimmt, dass einige grundlegende Menschenrechte wie das Recht auf Leben, das Recht auf Schutz oder das Verbot der Folter überall gelten. Wir verlangen von den Ländern nichts, wozu sie sich nicht schon verpflichtet haben.

Ist es gerechtfertigt, Menschenrechte einzuschränken, um Sicherheit zu gewährleisten?

Amnesty International weiss, dass die Regierungen die Verpflichtung haben, die Sicherheit ihrer Einwohnerinnen und Einwohner zu gewährleisten, genauso wie sie die Verpflichtung haben, die Menschenrechte zu schützen. Sicherheit darf kein Argument sein, dass grundlegende Menschenrechte eingeschränkt oder abgeschafft werden. Denn dauerhafte Sicherheit basiert auf der Achtung vor den Menschenrechten. Sicherheitsaufgaben sollten gelöst werden, indem die Werte aufrechterhalten werden, inklusive den Menschenrechten, die sie im Grunde schützen wollen. In einigen Ländern wird der «Krieg gegen den Terrorismus» als Entschuldigung für Menschenrechtsverletzungen und als Rechtfertigung für die Unterdrückung ihrer GegnerInnen genutzt. Andere Länder haben Gesetze erlassen, die die Menschenrechte ihres Volkes auslöschen. Amnesty International macht Kampagnen für die Sicherheit mit Menschenrechten.

Wie kann ich mich engagieren?

Sie können sich finanziell oder aktiv zusammen mit Amnesty für die Menschenrechte einsetzen. Falls Sie an einem zielgerichteten aktiven Engagement interessiert sind, können Sie sich für ein Kampagnen- oder Ländernetzwerk einschreiben und erhalten regelmäßige Hintergrundinformationen, Aktionsvorschläge und Veranstaltungshinweise zum Thema und können sich an Treffen mit anderen Netzwerkmitgliedern austauschen. In einer Gruppe engagieren Sie sich ganz persönlich und direkt für die Menschenrechte. Last but not least: Die älteste Form des Engagements – Briefe schreiben. Briefe helfen, das Leben von bedrohten Menschen zu schützen und ihre Situation zu verbessern. Briefe gegen das Vergessen gibt es zwei bis drei Fälle pro Monat und bei den Urgent Actions erscheint etwa jeden Tag ein Fall.

Was wurde bisher erreicht?

Die Arbeit von Amnesty International zeigt rund um die Welt Wirkung:
Gewissensgefangene werden freigelassen, Todesurteile umgewandelt oder Menschen, die foltern, vor Gericht gestellt. Kampagnen und Aktionen tragen zur Verbesserung der Menschenrechtslage auf gesetzlicher oder gesellschaftlicher Ebene bei und stärken Organisationen vor Ort den Rücken. So werden beispielsweise Gesetze für einen besseren Schutz von Frauen oder eine Kontrolle des Waffenhandels geschaffen. Immer wieder erfährt Amnesty International von Menschen, dass der Druck auf Regierungen und Behörden ihre Lage verbessert hat.
Diese Erfahrungen zeigen, dass die Aktionen der Mitglieder und UnterstützerInnen von Amnesty International etwas verändern können.

Wie wird Amnesty finanziert?

Amnesty International wird ausschließlich über private Geldgeber finanziert - durch Mitgliederbeiträge, private Spenden, Schenkungen und Legate. Um unabhängig zu bleiben, nimmt Amnesty keine staatlichen Gelder an. Denn nur wenn Amnesty International unabhängig von Regierungen, politischen Ideologien, wirtschaftlichen Interessen oder Religionen ist, kann die Organisation gegen Menschenrechtsverletzungen von Regierungen, Organisationen und Institutionen effektiv vorgehen. Etwa einen Viertel der Einnahmen gehen an das Internationale Sekretariat in London und werden für Recherchen oder zur Unterstützung von finanzschwachen Ländersektionen eingesetzt. Die Großzügigkeit und das Engagement unserer UnterstützerInnen erlauben uns:

  • Unabhängig  zu bleiben
  • Den  Druck auf die Regierungen, Unternehmen und Institutionen aufrecht zu  erhalten
  • Schnell  auf auftretende Menschenrechtskrisen zu reagieren

Zahlen und Fakten über Amnesty

  • Amnesty International ist die weltweit größte Menschenrechtsorganisation.
  • Wir sind eine globale Bewegung mit 3.2 Millionen UnterstützerInnen in rund 150 Ländern.
  • In 80 nationalen Sektionen und Amnesty Büros ist Amnesty vertreten.
  • Die Unabhängigkeit von Amnesty International ist eine wichtige Voraussetzung für die Effektivität unserer Aktionen. Wir akzeptieren darum kein Geld von Regierungen, Institutionen oder politischen Parteien.
  • Die Kampagnen von Amnesty International sind sorgfältig recherchiert und basieren auf mehrmals überprüften Fakten. Wir beobachten unzählige Medienbeiträge und senden Vertreter aus, um politische Prozesse zu verfolgen, die Behandlung von Gefangenen zu beurteilen und um mit Opfern und ihren Familien zu sprechen.
  • Die Recherchen von Amnesty sind weltweit als zuverlässige Quelle anerkannt. Wir werden von Regierungen, JournalisteInnen, StudentInnen, anderen Menschenrechtsorganisationen und Kampagnen-Gruppen um Rat gefragt.
  • Amnesty International kann immer wieder zu einer Besserung der Situation von bedrohten Einzelpersonen oder Gruppen beitragen. Wir wissen das, weil uns Betroffene darüber informiert haben, welchen Effekt Amnesty auf ihr Leben hatte.

Die Arbeit eines Amnesty-Researchers

Im Internationalen Sekretariat von Amnesty International in London arbeiten mehr als 80 Ermittler – so genannte Researcher. In Teams ermitteln sie Menschenrechtsverletzungen in „ihrer“ Region. Jedes Research-Team besteht aus drei bis fünf Researchern und einer etwa gleich großen Zahl an „Campaignern“, die die Forschungsergebnisse in Mitgliederaktionen umsetzen. Die Teams der Regionen sind zu Großregionen zusammengefasst, die ein Programmdirektor leitet.
Die jeweilige Länderstrategie legt der Researcher nicht alleine fest, sondern in Absprache mit anderen Abteilungen – etwa denen für Öffentlichkeitsarbeit oder Mitgliedschaft und dem Generalsekretariat. Für juristische Fragen steht Beratung zur Verfügung.
Die vielleicht wichtigste Arbeit eines Researchers ist das Verfassen von Länderberichten oder Kapiteln in anderen Amnesty-Veröffentlichungen, etwa dem Jahresbericht. Die Berichte werden intern mehrfach auf ihren Wahrheitsgehalt und die Zuverlässigkeit der benutzten Informationen kritisch überprüft.

Sorgfältig recherchiert, gewissenhaft geprüft

Viele Details machen gute Ermittlungsarbeit aus. Researcher lesen Tageszeitungen und politische Magazine aus den Ländern, die sie bearbeiten. Sie erhalten Informationen von anderen Nichtregierungsorganisationen, Journalisten oder Rechtsanwälten aus der Region. Regelmäßig gehen Hilferufe von Opfern ein, manchmal auch in der Hoffnung, Amnesty könnte Regierungen unmittelbar zwingen, auf die Organisation zu hören. Oft müssen Amnesty-Researcher schnell handeln; sie prüfen Informationen, recherchieren bei anderen Quellen gegen. Manchmal genügt ein Anruf, von dem man weiß, dass er abgehört wird, um das Schlimmste zu verhindern: Die Tatsache, dass Amnesty zu einer Menschenrechtsverletzung ermittelt, kann die Zuständigen bisweilen beeinflussen und die Opfer schützen. Sind schnelle Massenproteste sinnvoll, startet Amnesty eine Eilaktion, eine Urgent Action.

Informationen erhält ein Researcher auch durch Ermittlungsdelegationen in das Zielland. In der Regel recherchieren die Amnesty-Researcher zwei bis drei Wochen pro Jahr vor Ort. Auch längere Delegationen sind derzeit in der Diskussion. Die Researcher sprechen mit Opfern, Anwälten, Angehörigen oder auch Vertretern von Nichtregierungsorganisationen. Alle Reisen werden den Regierungen zuvor bekannt gegeben. Manchmal wird um ein Gespräch mit Regierungsvertretern und den zuständigen Behörden ersucht. Gelegentlich dient die Reise der Beobachtung politischer Prozesse.

Die wenigsten Regierungen begrüßen die „Besuche“ von Amnesty-Mitarbeitern, dennoch wird im Normalfall die Einreise und Forschungsarbeit genehmigt. Einige wenige Staaten – etwa Myanmar oder China – verweigern Amnesty-Ermittlern die Einreise. Amnesty International startet dann keine Under-Cover-Unternehmungen, sondern konzentriert sich auf andere Quellen, wie Menschenrechtsverteidiger vor Ort oder Flüchtlinge, die das Land verlassen haben.

Da solche Delegationen sehr kostspielig für Amnesty sind, sind die Arbeitstage eines Researchers oft sehr lang. Oft spricht es sich herum, dass Amnesty im Land ist: Dann kann sich der Researcher vor dem Andrang der Menschen, die ihre Anliegen an die Organisation herantragen wollen, kaum retten. Einige politische Gruppen versuchen zudem, die Amnesty-Mitarbeiter für ihre politischen Ziele einzuspannen. Die Researcher prüfen jedoch gerade in solchen Situationen besonders sorgfältig die Gegenseite und betonen gegenüber allen Gesprächspartnern, dass sie politisch neutral und allein am Einsatz für die Menschenrechte interessiert sind.

Ermittlungsreisen können auch dazu dienen, den Kontakt zur Presse im Land aufzubauen. Journalisten sind maßgeblich an der Meinungsbildung beteiligt, und es ist sinnvoll, sie für die Idee der Menschenrechte zu gewinnen. Sie können neben Menschenrechtserziehung auch wichtige Recherche-Arbeit leisten.

Das auf Delegationsreisen gesammelte Material – Zeugenaussagen, Gerichtsakten, medizinische Atteste, Notizen, Bücher und Berichte – arbeitet der Researcher meist innerhalb eines halben Jahres auf, dann wird es in Dokumentationen und Aktionen umgesetzt. Es kommt auch vor, dass Delegationen noch aus dem Land heraus eine Eilaktion initiieren oder eine Pressekonferenz abhalten.

Die Mitarbeiter des Internationalen Sekretariats stellen den Kern der Amnesty- Delegationen, zunehmend nehmen aber auch spezialisierte Ehrenamtliche aus den Sektionen an den Reisen teil. Deutsche Länderexperten haben mit Amnesty- Delegationen bisher u.a. die Türkei, den Sudan, Afghanistan, Australien und Peru bereist.