Wichtiges Amnesty-Instrument: Briefe gegen das Vergessen

Die "Briefe gegen das Vergessen" sind Briefaktionen im Rahmen von Kampagnen und längerfristigen Aktionen. Mit internationalen Appellen können Menschenrechtsverletzungen ins Licht der Öffentlichkeit geholt und beendet werden. Jeder Brief trägt dazu bei, dass Folter gestoppt, ein Todesurteil umgewandelt oder ein Mensch aus politischer Haft entlassen wird. Während es bei den "Urgent Actions" vor allem auf Schnelligkeit ankommt, wirken die "Briefe gegen das Vergessen" durch ihre enorme Anzahl.

Unsere Erfolge

In etwa 40% der Fälle sind unsere Aktionen ganz oder teilweise erfolgreich: So kommt es zu einer Freilassung eines politischen Gefangenen oder dazu, dass er Besuche empfangen darf oder medizinisch versorgt wird. Ebenso gelingt es uns, weitere Misshandlungen zu unterbinden oder drohende Hinrichtungen abzuwenden.

Inwieweit hierfür unsere Briefe ausschlaggebend sind, kann niemand wirklich sagen. Eines steht jedoch außer Frage: Jedes einzelne Schreiben ist wichtig. Denn was wäre, wenn sich niemand zu Wort melden würde?

Ein gutes und ein ein von vielen Beispielen: Im Jahr 1998 waren im Sudan 25 Personen ins Gefängnis geworfen worden, die allein mit friedlichen Mitteln gegen die Regierung protestiert hatten. Dank dem Einsatz von Menschenrechtsorganisationen - wie amnesty international - sowie von Kirchen wurden die meisten eineinhalb Jahre später freigelassen. Einer von ihnen war der katholische Pfarrer Hilary Boma, der zusammen mit einem Kollegen im Januar 2000 zur medizinischen Behandlung seiner in der Haft erlittenen Folterungen nach Würzburg ausreisen durfte. Die amnesty-Stadtteilgruppe in Barmbek hatte das große Glück, ihn dort besuchen und kennen lernen zu können. Hilary Boma schrieb am 30. Januar 2000 aus Würzburg an ein Mitglied der Barmbeker Gruppe:

"Liebe Michaela,
am 14.8.99 um 12.30 Uhr hat mir eine Studentin Euren Brief vom 19.7.99 ins Gefängnis geschmuggelt. Ihr wisst wahrscheinlich, dass es uns verboten ist, Briefe zu erhalten. Ich danke Gott und ebenso Euch für die Unterstützung, dass wir am 6.12.99 freigelassen wurden und am 26.1.00 in Deutschland ankommen konnten. Nun sind wir hier in Würzburg, um uns medizinisch untersuchen zu lassen und uns zu erholen.

Herzliche Grüße Hilary Boma"

(Übersetzung aus dem Englischen)